Re: Suche Vergleich: Elektra von Hoffmansthal und Elektra von Sophokles

Re: Suche Vergleich: Elektra von Hoffmansthal und Elektra von Sophokles


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Urheber : Sabine Straub Datum : February 15, 19102 at 14:35:14:

Bezieht sich auf Suche Vergleich: Elektra von Hoffmansthal und Elektra von Sophokles Urheber Esther Bernhard vom February 14, 19102 at 11:50:16:

: Hallo wer hat Literaturtipps, oder kann mir einige wichtige Unterschiede aufzählen?!


Hofmannsthals Bearbeitung der sophokleischen "Elektra"
entwickelte sich von der begleitenden Lektüre einer anderen Dramenproduktion (Pompilia, vgl. Eintrag im Tagebuch vom 17.7.1904) über den Plan einer Übersetzung des "Sophokles für die moderne Bühne" zu einer eigenständigen Übertragung, die H. selbst und die Kritiker als "eine völlig neue Dichtung" wahrnahmen (Brief H. an Robert Breuer, 1928).
Hofmannsthals produktive Rezeption des Sophokles steht zum einen vor dem Hintergrund der Antikenrezeption um 1900, d.h. des sog. "Baseler Kreises, zu dem u.a. auch Nietzsche, Bachofen, Rohde und Burckhardt gehörten. Ihre Auffassung der Antike war geprägt durch eine Abwendung vom Griechenbild der Klassik (Winckelmann, Goethe), das, abgeleitet von der antiken Plastik im griechischen Menschen das Kraftvolle, Gute, das Prinzip der Humanität verkörpert sah: "Edle Einfalt, stille Größe"). Um 1900 erfolgt nun der Versuch einer Rekonstruktion des Mythos der vorhomerischen Frühzeit Griechenlands, der archaischen Antike der Mysterienkulte. H. macht hierzu die seit Euripides, Aischylos und Sophokles bis Goethe fortschreitenden Bearbeitung und Abmilderung der griechischen Mythologie rückgängig und bringt sie so auf die Bühne, wie sie, nach der zeitgenössischen Mythenforschung, in vorhomerischer Zeit verstanden worden war.
Im Vgl. zu S. hat H. nur das äußere Handlungsgerüst, den einleitenden Monolog der Elektra, die vier großen Dialoge und die Schlussszene übernommen. Es fehlen die für die griechische Tragödie zentralen Elemente des Prologs und Chores. Während bei S. am Ende des Dramas die gottgewollte Ordnung wiederhergestellt wurde, die Geschehnisse aus der Genealogie der Protagonisten erklärbar sind, sind die Götter in Hs. Stück den Figuren fremdgeworden.
H. nimmt eine Psychologisierung, besser: Psychopathologisierung des Mythos vor: Mit der Wendung ins Innere der Figuren verarbeitet H. den zeitgenössischen tiefenpsychologischen Diskurs: Die Figur der Elektra wurde nach dem Vorbild der ersten Hysterica Anna O., deren Fallstudie die Psychiater Josef Breuer und Sigmund Freud in ihren "Studien über Hysterie" (1899) aufzeichneten, gestaltet.
In diesem Zusammenhang sind auch die kongeniale Umsetzung des Stückes durch den Komponisten Richard Strauss und die von H. in den "Szenischen Vorschriften"(Im Fischer-Tb Dramen II, nach dem Dramentext) selbst beschriebene visuelle Umsetzung des Stückes auf der Bühne von Bedeutung: Innerseelisches soll auf der Bühne durch Licht, Farbe und räumliche Anordnungen repräsentiert werden.
Eine ausführliche Erläuterung der oben aufgeführten Aspekte ist zu finden in: Michael Worbs: Nervenkunst. Literatur und Psychoanalyse im Wien der Jahrhundertwende. Ffm, 1983. Schon älter, aber noch immer gut: Karl G. Esselborn: H. und der antike Mythos. München,1969 und: Walter Jens: H. und die Griechen. Tübingen, 1955.
Interessant auch der Aspekt des Tanzes als Form des nonverbalen Ausdrucks bei HvH. Hierzu gibt es zahlreichere neue Arbeiten, empfehlenswert ist: Bettina Rutsch:Leiblichkeit der Sprache - Sprachlichkeit des Leibes. Wort, Gebärde, Tanz bei HvH. Ffm, 1998.




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