"Ma grande et noble amie..."

Rodin und Helene von Nostitz

 

 

 

"Alle Welt stimmt darin überein, daß Ihre Büste ein Meisterwerk ist und daß wir Ihnen eine der größten Attraktionen unserer Ausstellung verdanken." So begeistert schreibt Max Liebermann an Rodin, als er die eben fertiggestellte "wunderbare Büste der Frau von Nostitz" 1908 für die Ausstellung der Berliner Sezession erhalten hat.

Die Erwerbung der Marmorskulptur durch den Pinakotheks-Verein anläßlich der Verabschiedung von Generaldirektor Dr. Johann Georg Prinz von Hohenzollern 1998 wae der Anlaß für eine Ausstellung um die Entstehung des Werkes und damit zugleich das freundschafliche Verhältnis zwischen Auguste Rodin (1840-1917) und Helene von Nostitz geb. von Beneckendorf und von Hindenburg (1878-1944) verständlich zu machen, das sich seit ihrer ersten Begegnung im Jahre 1900 entwickelt hat. Von diesem engen Verhältnis zeugen weitere Bildnisse in Skulptur und Zeichnung, zeugen aber auch die gegenseitigen Besuche und ein umfangreicher Briefwechsel.

Helene von Nostitz ist nicht nur mit Rodin, sondern auch mit anderen bedeutenden Personen befreundet gewesen, die ihrerseits teilweise in näherer Beziehung zu dem Bildhauer standen: Harry Graf Kessler, Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke und andere. Mit Kessler ist Helene von Nostitz durch ihren Mann Alfred - Juristen, zeitweiligen sächsischen Gesandten in Wien und sächsischen Kulturminister - bekannt geworden, der auch enge Beziehungen zu Henry van de Velde hatte. Hofmannsthal hat Helene von Nostitz, der "anmutigsten und schönsten jungen Frau", die er in Deutschland kannte, im 'Gespräch über den 'Tasso' von Goethe' und im 'Schwierigen' literarische Denkmale gesetzt; Rilke ist beim gemeinsamen Aufenthalt an der Ostsee 1913 zu zwei Gedichten angeregt worden.

Aufgewachsen in Berlin und Florenz, war es der Nichte des späteren Reichspräsidenten und Enkelin des deutschen Botschafters in London und Paris schon früh selbstverständlich, sich in den Hautstädten Europas zu bewegen und unmittelbar Anteil an den gesellschaftlichen, aber auch an den kulturellen Ereignissen zu nehmen. Helene ist selbst sehr musisch gewesen; sie spielte vorzüglich Klavier, malte und hat etliche Bücher verfaßt, unter anderen ihre Erinnerungen 'Aus dem alten Europa' (1924, 1978), Bücher über Rodin (1927), über Berlin (1938), Potsdam (1930), Dresden (1941).

Es erschien ein Katalog mit umfangreichem Quellenmaterial, außerdem mit Beiträgen von Christian Lenz und J.A. Schmoll gen. Eisenwerth. 144 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen.